Christlich leben | Nachfolge

Was zeichnet das Leben von Christen aus? Wie andere, wollen wir ein gutes Leben führen. Dabei orientieren wir uns an Überzeugungen, von denen wir unseren Alltag formen lassen. In dieser Blogreihe erkunden wir Grundbegriffe eines christlichen Lebensstils. Ein Leitgedanke zieht sich durch: Es geht um Beziehung. Br. Hans Leidenmühler OSFS beschreibt, dass Christ*innen sich von Jesus zeigen lassen, wie sie leben sollen.

Wer in Wikipedia zum Thema „Nachfolge“ sucht, stößt zunächst auf Begriffe wie Rechtsnachfolge, Unternehmensnachfolge oder Thronfolge. Diese Begriffe weisen darauf hin, dass es um eine Fortführung geht, sei es die Fortführung eines Werkes oder eines Rechtsanspruchs.

Bei der Nachfolge, wie das Christentum sie versteht, geht es in einem gewissen Maß auch um eine Fortführung, nämlich um die Fortführung des Auftrags Jesu. Und doch geht es hier um viel mehr. Das Wort Nachfolge wird in der Bibel nicht sehr häufig erwähnt, und doch hat es eine sehr zentrale Bedeutung: Sie ist ein spezieller Ausdruck für eine ganz besondere Beziehung zwischen den Jüngern und ihrem Meister.

Der etwa 30-jährige Jesus, in seiner näheren Heimat anfangs lediglich bekannt als Sohn des Zimmermanns Josef aus Nazareth, begegnet Fischern am See Genezareth und später dann "einem Menschen am Zoll". Mit seinem bezwingenden "Folge mir nach!" bewegt er sie, alles liegen und stehen zu lassen und sich ihm anzuschließen. Neben seinem engeren Jüngerkreis (12 Apostel) hat sich eine weitere Schar von Jüngern und Jüngerinnen Jesus angeschlossen. Den Weg, den sie nun mit ihrem Meister gehen, kann man sich vorstellen als Weg quer durch das Heilige Land, als gemeinsames Ertragen von Hitze und Kälte, Hunger und Durst, Sonne und Regen, gemeinsam schweigend oder von Gott sprechend, miteinander betend und feiernd, gemeinsam die Begeisterung und die Anfeindung der Leute ertragend: Eine echte Schicksalsgemeinschaft und Freundschaft von Schülern und ihrem Meister Jesus. An der Seite Jesu lernten sie die Frohe Botschaft kennen und was es konkret heißt, am Reich Gottes mitzuarbeiten.

Anders als in den theologischen Schulen des Judentums, in denen sich die Jünger erst bewähren mussten, bevor sie in die Nachfolge eines Meisters gerufen wurden, ruft Jesus Menschen quer durch alle Bevölkerungsschichten in die Nachfolge. Unabhängig von Bildungsstand oder Erleuchtungsgrad und ohne Ansehen vorweisbarer religiöser Leistung ruft er Menschen, ihm zu folgen. Alle sind zu gebrauchen für die Nachfolge. Einzige Voraussetzung: Eine aufrichtige Entschiedenheit.

Wie wichtig für Jesus die Entschiedenheit ist, drückt sich in seinen Vergleichen aus, die er für die Nachfolge gebraucht: „Wer die Hand an den Pflug legt und zurückschaut, taugt nicht für das Reich Gottes“, oder: „Lass die Toten ihre Toten begraben und folge mir nach“. Jesus weist seine Jünger auch immer wieder darauf hin, dass sie sich nicht ein unbeschwertes Leben erwarten dürfen, so sehr sie sich das auch wünschen würden: „Wer mir nachfolgen will, nehme das Kreuz auf sich und folge mir nach“. Was die Jünger und Jüngerinnen sich aber erwarten dürfen, ist ein spannendes und erfülltes Leben, getragen durch die Freundschaft mit Jesus.

Nach dem Tod und der Auferstehung Jesu bedeutet Nachfolge, dem nachzufolgen, der nicht mehr zu sehen ist, dessen Botschaft ich aber glauben und vertrauen kann. Im übertragenen Sinn heißt das, in den Fußspuren Jesu zu wandeln. Sich von ihm und seinem Geist, den er uns gesandt hat, führen zu lassen und letztlich an seiner Auferstehung teilzuhaben.

Aus der Serie The Chosen https://www.the-chosen.net/


 

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