Woche der Dankbarkeit

In der Woche der Dankbarkeit laden wir ein, zu teilen, wofür Sie dankbar sind. Im Zwettlerhof und im Quo vadis? gibt es Impulse zur Dankbarkeit. Von Montag, 8. November bis Freitag, 12. November können Sie praktisch im Vorbeigehen Zitate von Bruder David Steindl-Rast zur Dankbarkeit mitnehmen und im Quo vadis? notieren und aufhängen, wofür Sie dankbar sind. In der Vorbereitung auf diese Woche der Dankbarkeit haben wir im Team festgestellt, dass es ermutigt zu lesen, was andere dankbar stimmt. In diesem Beitrag hat sich Lisa Huber mit einer Kultur der Dankbarkeit auseinandergesetzt. 

Eine Kultur der Dankbarkeit

"Gestern Abend saßen wir an einem Tisch, haben Gutes miteinander gegessen. Die Lebensmittel waren Ausdruck des Herbstes; kleine Blattsalate, die letzten Tomaten, die letzten Eierschwammerl. Genuss auf vielen Ebenen. Angeregt vom Gespräch, erfreut von den guten Speisen, entspannt vom Ort. In mir ist ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit aufgestiegen. Der Herbst bindet uns das Thema Dankbarkeit regelrecht auf. Die Ernte, die Fülle, die Farben - Anlässe Danke zu sagen. Es gibt einen Benediktiner, der sagt, die Dankbarkeit ist die kürzeste Formel des Christentums. "Die Feier des Dankes steht mit der Feier der Eucharistie (Anm., griech. für Danksagung) im Zentrum unserer christlichen Gemeinschaft. Dank fasse in "kompaktester Form" zusammen, was christliches Leben heiße. Wahrhaftig gelebte Dankbarkeit wäre die "Lösung der größten Probleme von heute, doch gibt es nichts, das uns so schwer fällt wie einfach zu danken". Deshalb möchte ich heute einen Impuls zu einer Kultur der Dankbarkeit geben.

Von einer Kultur des Teilens haben wir das letzte Mal gesprochen; es ging darum, dass das aufrichtige Teilen ein Schlüssel für das gute Zusammenleben sein könnte. Mit einem Franziskaner konnte ich sagen: “Es reicht! Es ist genug für alle da. Wenden wir uns den anderen zu.” Heute also Dankbarkeit. Dankbar sein heißt annehmen, was gegeben ist. Annehmen heißt, es als Gabe und Aufgabe zu verstehen. Mein Dank ist die angemessene Antwort auf das jeweils Gegebene. Ich heiße es als Gegebenes und Aufgegebenes gut. Dankbarkeit ist Lebensbejahung. Um dankbar zu leben, benötige man die bewusste und ständig wiederholte Entscheidung zugunsten des Vertrauens und gegen die Furcht. “Alles, was wir brauchen und was für uns gut ist, wird uns in jedem Augenblick geschenkt vom Leben - oder von Gott, der ja das Leben ist, bzw. das Leben die Bühne, auf der wir Gott begegnen."

Dankbar aus freiem Willen 

Dankbarkeit gegenüber dem Umsonst Gottes. Und zwar nicht aus Pflicht, sondern aus freiem Willen. Das ist ein erster Zugang zu einer Kultur der Dankbarkeit. Naiv? Könnten Sie jetzt denken. Wie kann man für all das schwierige Gegebene dankbar sein. Nein. Ich glaube nicht, dass es darum geht, dafür dankbar zu sein. Nicht in allem Gegebenen ist Sinn. Manches ist auszuhalten, ist zu ertragen, ist anzunehmen. Von der Heiligen Schrift wissen wir, dass Gott einer ist, der trotzdem bei mir ist, der mit mir mitgeht, auch wenn ich leide und hadere.

Wer die vielen kleinen Geschenke des Lebens annehmen kann, lernt neu zu genießen. Auch wenn vieles schwierig ist, so gibt es doch kleine Dinge, die das Staunen wecken. Dass ich atme. Dass ich Freude kenne. Dass ich sehe... Analog kann man von Pessimismus und Optimismus sprechen. Der Pessimismus tut gut, wenn er den Optimismus reguliert. Früher, hab ich gelesen, hat es in großen Zügen die Lokomotive und das Bremserhaus gegeben; der Bremser musste abwägen, wann es nötig ist dagegenzuwirken. Viel Kommunikation war nötig, damit der Lokführer nicht den Bremser als lästige Behinderung betrachtet, oder dass der Bremser nicht die Lok ins Unglück rasen lässt. Die positiven Gefühle werden von den negativen reguliert. Dankbarkeit ist ein Schlüssel zur Freude. Wer wirkliche Freude sucht, wird zu diesem positiven Gefühl über die Dankbarkeit kommen. Aber nicht naiv, sondern reguliert. Ein zweiter Zugang zu einer Kultur der Dankbarkeit ist also das Kennen der eigenen Gefühle und sich auf die Freude einlassen zu wollen. In Resonanz zu gehen, zu spüren, wie sich das Herz regt.

Dankbar über das Gefühl und den Intellekt 

Dankbarkeit. Ein konkreter Weg dorthin könnte über die Überraschung gehen. In Augenblicken der Überraschung können wir einen kurzen Blick auf die Freude werfen, zu der uns Dankbarkeit die Tür öffnet. In Augenblicken der Überraschung haben wir einen Fuß in der Tür. Überrascht uns der Frühling nicht jedes Jahr aufs Neue? Oder jener rot gefärbte Baum am Ende der Straße? Dieses Gefühl also ist ein Weg zur Dankbarkeit. Offen zu sein, für die Reaktionen des Herzens. Das kann man übrigens auch üben, sagt der Autor Bruder David Steindl-Rast. Der Intellekt kann uns da ein Stück weiterbringen. Im Durchdenken der Dinge kann auch diese Überraschung gefunden werden. Das Staunen als Zugang zur Dankbarkeit.

Dankbar leben ist zutiefst christlich, fördert die guten Gefühle, lässt Menschen Zufriedenheit und Sinn finden, tut der Gesundheit gut. Dankbarkeit scheint der wichtigste Gegenimpuls zur Furcht sei. Wer Dankbarkeit als Herzstück christlichen Lebens verstehe, begegne in ihr auch dem dreifaltigen Gott.

Dankbarkeit pflegen 

Eine Kultur der Dankbarkeit. Cultura bedeutet pflegen. Was kann man also tun, um eine Kultur der Dankbarkeit zu pflegen?

  • Sich selbst für eine Haltung der Dankbarkeit jeden Tag entscheiden und so vorbildhaft wirken
  • Dankbarkeit thematisieren, nicht in der moralischen Dimension (sag schön danke), sondern als Dimension der Freiheit und der Herzensregung
  • Zivilcouragiert gegen Eiseskälte und Selbstverständlichkeiten in der Gesellschaft irritieren, durch aufrichtige Dankbarkeit.
  • Pflege und Anerkennung des Dankenswerten, alles, was wirklich schön ist, wirklich gut tut, wirklich das Herz erwärmen kann, wirklich Freude macht.
  • Die Stille suchen, erst die Stille ermögliche es, "hinzuschauen, hinzuhorchen und sich über die Gelegenheiten zu freuen, etwa an einem Atemzug".
  • Undank nicht mit Hass und Kälte bestrafen.
  • Einfach und genügsam zu leben, ein revolutionärer Impuls der Dankbarkeit. Wer schon für das Erste dankbar ist, greift nicht gleich nach dem Zweiten. Dankbar zu sein kann somit unserer Gesundheit helfen, wenn wir etwa dankbar essen und trinken, und unsere Konsumgesellschaft revolutionieren, wenn wir dankbar sind mit dem, was wir haben."

Diesen Impuls hat Lisa Huber im Rahmen des Community-Abends gehalten, aufbauend auf dem Buch "Dankbarkeit" von David Steindl-Rast. 

Woche der Dankbarkeit

In der Woche der Dankbarkeit können Zitate von David Steindl-Rast gepflückt werden.