Sakrament der Versöhnung

Entlang des roten Fadens „Heilwerden“ entwickelte P. Josef Maureder SJ, Leiter des Bereiches Exerzitien uns Spiritualität des Kardinal König Hauses und gefragter geistlicher Begleiter, eine Spiritualität der Beichte. Die Audioaufnahme finden Sie hier zum Nachhören:


In einem ersten Teil stellte er unter dem Titel „Leben aus der Barmherzigkeit Gottes“ verschiedene Entwicklungsmodelle vor, die ein Wandel im Verständnis der Beichtpraxis mit dem Wachstum im geistlichen Leben verbinden. Neben Ignatius von Loyola und Piet van Breemen SJ referierte der Jesuit die drei Stufen der Beichtverständnisses der Schweizer Ordensfrau Silja Walter: ein Wegwischen der Sünden, die Erneuerung der Gottesbeziehung und die Rückkehr aus dem Vergessen der Gottsuche.

Vergebung und Versöhnung sind ein Prozess zum Leben. Denn der Kern Sünde, für die wir die Vergebung erbeten, ist die Störung und Zerstörung von Leben im Tun des Bösen und noch häufiger im Unterlassen dessen, was uns an Gutem möglich gewesen wäre. In den Evangelien macht Jesus keinen Unterschied verschiedener Sünden und braucht auch keine Sündenaufzählung. Seine Absicht ist, zurück in die Beziehung mit dem barmherzigen Vater zu führen.

Der Ruf zu Umkehr ist ein zentrales Thema der Hl. Schrift: „Lasst Euch mit Gott versöhnen!“ (2 Kor 5,20). Die Umkehr besteht in einer Neubetrachtung und Revision der eigenen Werteordnung, die sich viel mehr in den täglichen Entscheidungen als im Bekenntnis zeigt. Es geht um eine innere Bekehrung des Herzens. Sie geschieht durch die Reue, dem Erkennen der eigenen Verfehlung und – als Geschenk – dem heilsamen Seelenschmerz. P. Maureder zählte eine Reihe von Wegen der Buse auf, wie die Mitfeier der Eucharistie, in der alle Element der Umkehr enthalten sind, oder das Gebet des Rosenkranzes mit der wiederholenden „Bitte für uns Sünder“. Vor allem „deckt die Liebe vielen Sünden zu“ (vgl. 1 Petr 4,8).

NeuschöpfungDer besondere Wert der Einzelbeichte ist, dass sie ein Akt der Verleiblichung ist. Ohne Sprache gibt es keine geordneten Gedanken. Die Formulierung des Sündenerkenntnis klärt die Gedanken. Und: Das Wort, das mir hilft, kann ich mir nicht selbst geben. In der Beichte fallen die existentielle Ebene der Reue und die sakramentale, leiblich erfahrbare Ebene zusammen. Dies verstärkt die Wirkung der Umkehr: der Leib formt die Seele und die Seele den Leib.

Das erste Element der Beichtvorbereitung und der Beichte selbst ist die Danksagung: wahrzunehmen wo Gott im eigenen Leben wirkt, seine Zuwendung erfahrbar wurde. Dies ist die Grundlage zu sehen, wo die eigene Antwort auf diese bedingungslose Liebe Gottes ausgeblieben ist. So leitet der Referent auch Ende des Abends den Vorschlag einer Beichtvorbereitung an. Er stellt dafür das Bild der Neuschöpfung der von der Kathedrale von Santiago di Compostela zur Verfügung: Christus selbst ist der Schöpfer. Er gestaltet unser Herz um und bestärkt uns, dass er unseren guten Dienst braucht.

Den ganzen Vortrag und die Anleitung zur Beichtvorbereitung können Sie hier nachhören:

 

Im Zoom- Raum konnte der Abend mit über 60 Teilnehmenden aus ganz Österreich und Nachbarländern stattfinden. Wir freuen uns nun auch wieder Veranstaltungen vor Ort im Quo vadis? anzubieten. Um weiterhin auch eine digitale Teilnahme zu ermöglichen, planen wir für den Herbst einige spirituelle Vorträge hybrid. Ein erster Start hierfür ist schon im Juni: Lehre uns beten! – Eucharistische Anbetung mit Sr. Anneliese Herzig MSsR, einer Expertin in Ordensspiritualität.