Der Kern des Ordenslebens ist die Nachfolge Christi!

In der Reihe „Prominente Ordensleute“, dem Gesprächsabend mit Radio Klassik, kam am Mittwoch 11. Februar 2021 der Dominikanerpater Christoph Kardinal Schönborn in das Quo vadis? als Gast. Dank der Radioübertragung konnte das Publikum bei dem Gespräch live dabei sein. Im Quo vadis? interessieren wir uns für die Berufunggeschichten von Menschen. Lesen Sie hier mehr! 

An diesem Abend spricht Moderator Stephan Hauser den Kardinal immer wieder mit Pater Christoph an. Dieser bestätig, dass er sich weiterhin auch als Ordensmann verstehe. Obwohl er als Bischof den Rechten und Pflichten der Gemeinschaft entbunden ist, sei er dankbar, weithin Mitglied des Dominikanerordens bleiben zu können. Immer mehr unterschreibe er auch bewusst als Pater Christoph. Die drei Gelübde lebe er, wie es seinem jetzigen Stand entspricht. Gehorsam sei er – „hoffentlich“ – gegenüber dem Papst und vor allem sei der Gehorsam eine Grundhaltung Gott gegenüber. Die Armut bedeute für ihn Bescheidenheit, einen anspruchslosen Lebensstil und darüber hinaus ein starkes Gespür für die Armen. Dieses gehöre zum Charisma des Predigerordens, der sich als Bettelorden in der Geschichte durch Almosen erhalten hatten. Das Versprechen der Keuschheit als Grundoption auf Ehe und Familie zu verzichten, teile er mit den Diözesanpriestern.

Fast 60 Jahre Dominikaner

Christoph Schönborn ist seit 1963 Mitglied des Dominikanerordens. Mit 18 Jahren, im Herbst nach der Matura, trat er mit siebzehn anderen Novizen in Worms in das Noviziat ein. Priester wollte er bereits seit der ersten Gymnasialklasse werden. Der Kontakt zum Orden war durch Pater Paulus entstanden, der bei den Dominikanerinnen, in deren Kloster auch Schönborns Schule in Bludenz untergebracht war, regelmäßig zu Gast kam. Die Mutter fand den Sohn doch zu jung für diese Entscheidung aber „I had made my choice“. Zweifel an seiner Berufung hätte es später nicht gegeben, wohl aber Spannungen, Konflikte und massive Krisen – da er jung eingetreten sei, habe er all das im Kloster erlebt, was andere außerhalb durchmachen. Ein baldiger massiver Einschnitt war das Ende des Konzils, dessen Verlauf Pater Christoph und die anderen im Noviziat intensiv verfolgt hatten. Die Zeit nach dem Konzil war ein „wunderbarer Aufbruch“, aber auch ein „gewaltiger Abbruch“. Die Infragestellung des Gebetes und fundamentaler Glaubenswahrheiten von einigen Seiten sowie die massive Austrittswelle brachte den gerade erst 20-jährigen in eine fundamentale Krise über das eigene Leben. Im Nachhinein sei er dankbar, das durchgemacht haben zu müssen, aber attestiert der Gesamtkirche: „Das Trauma der Nachkonzilskrise ist nicht genügend verarbeitet“.

Als der Moderator fragt, ob es denn eine Herausforderung sei, die Ticks der Ordensbrüder auszuhalten, antwortet der Kardinal eindeutig: "Ja! Aber in einer Ehe ist es nicht leichter, der Mönch kann sich in immerhin in seine Zelle zurückziehen." Er zitiert Pauluswort „ertragt einander“ und betont dann, dass es eine Chance ist, einander zu korrigieren, um nicht ganz schrullig zu werden. „Eine Gemeinschaft ist ein Investitionsbetrieb: Wer nur erwartet, wird enttäuscht sein. Wer sich selbst investiert, wird Lebendigkeit erleben." Es gilt: „Geh und lebe das Evangelium.“

Zukunft der Orden

"Sind die Orden ein Zukunftsmodell für die Kirche?", fragt Hauser. "Sicher wird es Orden auch in Zukunft geben", ist der Dominikaner überzeugt. Die konkreten Formen hätten sich über die Jahrhunderte immer wieder enorm gewandelt und habe immer wieder Auf und Abs erfahren. Als Beispiel verweist er auf den niederländischen Dominikanerorden, der nach dem Konzil am Absterben war. Nun rühre sich dort von England her kommend neues dominikanisches Ordensleben. Auch in der Erzdiözese Wien seien während seiner Amtszeit vier neue Klöster entstanden. „Totgesagte leben länger.“ Der Kardinal ist überzeugt, dass diese Form des geweihten Lebens, der gemeinschaftlichen vita consecrata, mit gemeinsamen Zielen und Aufgaben und mit Gütergemeinschaft Bestand hat.
Er verweist auf die vielen neuen Gemeinschaften, die nach dem Konzil entstanden sind. Das sei großartig. Und gleichzeitig verwirrend und erschütternd: Der Kardinal spricht den Missbrauch durch nicht wenige der charismatischen Gründungspersonen an. In dem Versuch einer Einordung „im Blick auf dieses Scandalon“ zitiert der Kardinal eine Überlegung von Papst Benedikt XVI. „Vielleicht will Gott uns darauf hinweisen: Ich bin es, der es macht, nicht ein noch so charismatischer Gründer.“ Die Krise rufe zur Besinnung, dass es im Ordensleben um die Nachfolge Christi geht: Wenn das nicht ist, sei das Ordensleben sinnlos.

Dem Dominikaner ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass Ordensleute sehr privilegiert sind. Er sei skeptisch, wenn da von Opfer geredet werde. Er habe sich nie um das Essen auf dem Tisch und das Dach über dem Kopf kümmern müssen und wenn er krank war, gab es eine Gemeinschaft, die ihn auffingt. „Ich betrachte mich als beschenkt“, durch die Menschen, die er kennen gelernt habe, die weltweite Gemeinschaft, die Studien, die er machen konnte...

Freude, Frieden und Freiheit

Der Kardinal verweist auf die Möglichkeit Ordensgemeinschaften durch Mitleben oder deren Programm der „Lebensschule“ kennen zu lernen. Auch wer sich danach für eine Ehe und einen weltlichen Beruf entscheide, nehme etwas von dieser Zeit für sich mit. Drei Kriterien für eine Berufung nennt uns der Kardinal nach der Sendung noch in einem Kurzvideo: mit einer guten Wahl ist das Erleben von Freude, Frieden und Freiheit verbunden. Klicken Sie sich ins Video rein! 

Radio Klassik Logo 500„Wir hatten doch ein großes Publikum“, scherzt der Kardinal in die Runde, als wir im Quo vadis? nicht mehr "on air" sind. Und wirklich, die kleine Gruppe von Technik, Zeitungs- und Quo vadis?-Mitarbeiter/innen war mit ganzer Aufmerksamkeit dabei und die Stunde verging im Flug. Das Interview zum Nachhören finden Sie in der Radiothek von Radio Klassik Stephansdom

informationenDas einzige Dominikanerkloster Österreichs befindet sich in Wien. Hier ist die Ausbildungsgemeinschaft der Süddeutsch- Österreichischen Provinz, zu der auch P. Christoph Kardinal Schönborn gehört.

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(Fotocredit: (c) Erzdiözese Wien/Schönlaub)