Dankbarkeit: ein Pflänzchen der Zuversicht

„Dankbare Menschen leuchten“, wurde mir einmal gesagt. Und ja, es scheint, als gäbe es unterschiedliche Brillen, mit denen Menschen durch die Welt gehen: Einige finden laufend etwas, woran sie sich freuen, Andere scheinen fixiert zu sein auf die Zumutungen, die ihnen das Leben gibt. „Wir denken, Menschen seien dankbar, weil sie glücklich sind. Aber stimmt das denn? Wenn wir genauer hinsehen, werden wir feststellen, dass Menschen glücklich sind, weil sie dankbar sind“, schreibt Br. David Steindl-Rast. Der Benediktiner lehrt Dankbarkeit als Kernstück einer spirituellen Lebensweise.

Pflänzchen TTatsächlich ist die Dankbarkeit die Grundhaltung der Christen. Mit dem Apostel Paulus klingt das so: Freut euch zu jeder Zeit! Betet ohne Unterlass! Dankt für alles (1 Thess 5,16-18). Und unser zentraler gemeinsamer Gottesdienst heißt Eucharistie: Danksagung. Christen leben im Bewusstsein, dass alles, was sie haben und alles was ist, Geschenk eines unendlich liebevollen Schöpfers ist. Sie sind sich bewusst, dass ohne Ihn die Welt im Chaos und in der Zerstörung ist (Das Kyrie eleison - Herr erbarme Dich - steht am Anfang der Eucharistiefeier). Doch sie vertrauen, dass Gott dies im letzten nicht zulässt. Ostern bedeutet: Gott hat den Tod unschädlich gemacht. So kann Paulus schreiben: Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren. (Phil. 4,6-7)

In jeder Lage! Aber ist das nicht eine Überforderung? Der Jesuit Anthony de Mello nennt in dem Buch „Meditieren mit Leib und Seele“ die „Gebetsweise, [die ihm] am tiefsten die Gegenwart Gottes fühlbar gemacht hat“, den Lobpreis: „dass wir Gott für alles loben, ihm für alles danken.“ Vor der Übungsanleitung wendet er sich gegen das Missverständnis, „dass wir unsere negativen Gefühle unterdrücken. Oft ist es notwendig, dass wir zunächst Verluste, die wir erleiden, beklagen oder unserem Ärger und unserer Frustration Luft machen, bevor wir Gott lobpreisen und unsere Herzen der Freude und dem Frieden öffnen.“ Dankbarkeit, das ist mehr als positives Denken. Die Übung nach Anthony de Mello besteht darin, Gott für alles zu danken, auch für das, was mir jetzt Schmerz, Leid, Schuldgefühl und Frustration verursacht. Der Glaube, und nach und nach auch die vertrauende Erfahrung, sagt uns, dass der gute Schöpfer uns auch das zum Guten verwenden wird.

PflänzchenBr. David bezeichnet diese verlässliche Hilfe als Führung; „Stell Dir unter Führung etwas vor, das in dem Maße zu uns kommt, in dem wir uns darauf einlassen. Führung ist immer da. Aber das ist wiederum unser Problem. Es ist zu schön, um wahr zu sein. Wir können ihr nicht vertrauen. Deshalb erfordert Glaube eine immense Anstrengung des Herzens. Eine Anstrengung wozu? Sich der Führung zu überlassen, die immer da ist. Es ist nicht so, dass wir verwaist herumsitzen würden und plötzlich, wenn wir in eine Sackgasse geraten, wirft uns jemand einen Rettungsanker zu. Nein! Wenn es etwas gibt, das vertrauenswürdig ist, etwas, dem wir wirklich vertrauen können, noch bevor die Krise überhaupt auftritt, dann dies: Die Führung, die schon da war, bevor wir waren, wird uns durch diese Krise führen. Diese Führung ist der Grundstein von allem.“ Eine dankbare Haltung lässt die Zuversicht in diese Führung wachsen. Je mehr ich sehe, was mir schon geschenkt ist, umso mehr kann ich vertrauen, dass ich auch weiter gut aufgehoben sein werde. Je mehr mir bewusst ist, dass nichts selbstverständlich ist, umso mehr werde ich erfahren, dass mir alles entgegenkommt, was ich brauche. Je mehr ich aufmerksam werde für die vielen Gelegenheiten zur Freude, umso mehr werde ich gestärkt, die Herausforderungen zu bestehen.

Im Quo vadis? möchten wir Sie in den ersten Wochen nach der Wiederöffnung einladen, „Danke“ zu sagen - inne zu halten und wahrzunehmen, was ihnen geschenkt worden ist in dieser Corona-Zeit: Wer hat mir geholfen? Wovor sind meine Lieben und ich bewahrt worden? Welche Erkenntnis oder Veränderung hat sich mir aufgetan…? Schreiben Sie Ihre Danksagung auf, zünden Sie eine Kerze an und nehmen Sie eine Samenkarte mit: die Samen, die Pflänzchen in unserem Schaufenster – es sind Zeichen der Zuversicht, auf das Neue, Unvorhergesehene, das anders und besser ist, als wir es machen können: Ostern.

Veronica Ilse

Pflänzchen Rettich