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Quo Vadis
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Auf dem Boden der Versöhnung ist Wachstum möglich

Am 19.März 2020 hätte uns P. Josef Maureder SJ im Rahmen unserer Reihe "Lehre uns beten" eine geistliche und theologische Einführung in das Sakrament der Versöhnung gegeben. Dankenswerter Weise hat er uns zugesagt, zu einem späteren Zeitpunkt diesen Abend mit uns nachzuholen. Für jetzt durften wir ihn fragen, welche Bedeutung und Praxis das Sakrament der Versöhnung in der Coronazeit haben kann:

Der Termin für Lehre uns beten - Sakrament der Versöhnung war bewusst in der Fastenzeit gelegt. Sind Beichte, Buße und Vergebung auch in dieser Corona-Ausnahmezeit weiterhin relevante Themen?

Da es im Glaubensleben immer um das Wachsen in der Gottesbeziehung geht und darum, liebesfähiger auf andere hin zu werden, ist es jederzeit gut, das ausräumen zu lassen, was diese Beziehungen und Liebe stört. Darum sind Umkehr, Versöhnung und Neuwerden so wichtig für die Fastenzeit. Die Corona-Krise erinnert uns daran, dass wir trotz Wissenschaft und vieler medizinischer Errungenschaften das Leben nicht in der Hand haben. Unsere Endlichkeit wird uns neu bewusst. Das kann uns auch wacher machen für jene Aspekte unseres Lebens, die für uns wirklich bedeutsam sind und vor Gott ewiges Gewicht haben. Das Corona-Virus ist auch eine Chance, das persönliche (und hoffentlich auch gesellschaftliche) Leben zu befragen, zu verändern, zu erneuern. Auch deshalb darf in dieser kritischen Zeit dem Thema Umkehr, Beichte und Neubeginn besondere Bedeutung zukommen.  

Bis Ostern scheint ein Empfang des Bußsakraments nicht möglich zu werden. Wie können wir dennoch vor Ostern Versöhnung feiern?

Es gibt doch ganz verschiedene Weisen, Gottes Erbarmen zu erbitten und die Verzeihung der Sünden zu erlangen! So etwa, wenn wir im persönlichen Gebet Gott um Verzeihung und Erneuerung bitten. Bei einer tiefgreifenden Reue (früher sagte man eine „vollkommene Reue“) dürfen wir unmittelbar mit der Vergebung der Sünden rechnen. Eine ganz persönliche Versöhnungs-Feier könnte jede*r für sich in dieser Corona-Zeit vor Ostern noch gestalten. Dabei empfehle ich Elemente wie die Erzählung vom Barmherzigen Vater, der dem Sünder entgegenläuft und vor Freude ein großes Fest feiert, von der Ehebrecherin, die von Jesus nicht verurteilt wird, oder von Zachäus, der wieder gemeinschaftsfähig wird. Diese Begebenheiten aus dem Leben Jesu helfen, um die Barmherzigkeit Gottes zu erahnen. Wer gerne mit einem Psalm betet, kann dies mit Psalm 51 und am Ende der Feier mit Psalm 103 tun, in dem die Freude über die Vergebung Gottes zum Ausdruck kommt. Immer rate ich bei einer Feier der Versöhnung, zuerst dem Herrn zu sagen, wofür ich im Blick auf die letzte Zeit besonders dankbar bin. Dann erst bitte ich um Vergebung meiner Sünden und um seine Hilfe, wo auch immer ich sie besonders nötig habe. Was wäre das für eine wunderbare – stimmige und gültige! – Feier der Versöhnung mit Gott, mit anderen und mit sich selbst! Und wenn die Ausnahmesituation wieder vorbei ist, dann kann man später ausdrücklich zur Beichte gehen, so wie wir es sonst gewohnt sind. Vielleicht noch ein anderer Akzent: Versöhnung mit Gott und sich selbst wird sehr konkret in der Versöhnung mit anderen. Dazu gibt es derzeit mehr Zeit und Gelegenheit als sonst: Daheim im „engeren Raum“, per Telefon oder auch im Kontakt über elektronische Medien. Danke sagen, um Vergebung bitten, neu anfangen, Liebe leben, warum nicht? Das Leben wird erfüllter und die konkrete Liebe deckt viele Sünden zu.

Warum eigentlich ist es nicht möglich, das Sakrament online zu spenden?

Eine spannende Frage! Zu jedem Sakrament gehört auch das äußere Zeichen, also nicht nur der innere Vollzug. Hier ist die Begegnung mit einem Du wichtig. Im Beichtsakrament ist dies der Priester. Vergeben kann ich mir nicht selber, das muss mir zugesagt werden. Auch ist der Priester – hoffentlich als Bruder und nicht als Richter – stellvertretend da für die ganze christliche Gemeinde. Versöhnung mit Gott ist zugleich Versöhnung mit anderen. All das wird zeichenhaft gelebt im Vollzug der Beichte. Sicher ist „Begegnung“ über elektronische Medien, also am Telefon oder virtuell, etwas anderes als im „realen Raum“. Aber ich wage zu fragen: Ist ein ehrliches und offenes Bekenntnis und Gespräch am Telefon oder über Skype weniger zeichenhaft als in einem dunklen Beichtstuhl, wo sich die beichtende Person und der Priester nicht einmal gut hören, geschweige denn sehen können? Sicher braucht es auch den Schutz des Beichtgeheimnisses, der aber an manchen Orten (ich denke an Beichten in Italien oder Spanien) auch im Beichtstuhl oder Beichtzimmer kaum gegeben ist, wenn die nächste Person schon in der Nähe Platz genommen hat. Hier dürfen wir beweglich sein und der Gnade Gottes viele Türen öffnen. Wenn jemand anruft und es einen berechtigten Grund dafür gibt, würde nicht auch Jesus dieser Person die Vergebung zusagen? Wer bin ich, dass ich als Jünger Jesu diesen tiefen Wunsch nach Versöhnung verweigern sollte? Es muss Ausnahmen von der Regel geben dürfen und die gibt es auch. Aber nochmals: Versöhnung feiern kann ich besonders jetzt in dieser Krise auch auf eine andere Weise. Und wenn dann noch ein offenes Gespräch mit einem geistlichen Menschen geführt wird, über welche Kanäle auch immer, dann ist es eine wunderbare Vorbereitung auf das Osterfest!

P. Josef Maureder ist Jesuit

Spirituelle Impulse für jeden Tag

Wir sind hier im Web weiterhin für Sie da! In unserem Blog finden Sie Anregungen für Zuhause! In diesem Beitrag werden wir täglich unsere "Atempause", das Mittagsgebet mit Ihnen teilen. Auf diese Art und Weise können wir miteinander verbunden bleiben. 

Kaffee trinken und Eier bemalen | quovadis@home

Miteinander Kaffee trinken und Eier bemalen, das steht am Montag, 30. März von 15 bis 17 Uhr auf dem Programm. Nachdem das Quo vadis? am Stephansplatz geschlossen hat, findet das Treffen bei Ihnen zuhause, online, statt.